VERLETZLICHKEIT IST DER ORT, AN DEM SICH WÜRDE ENTSCHEIDET.
PROJEKT WÜRDE
Fotografie. Texte. Kunst.
Es gibt Erfahrungen, die den Blick auf die Welt verändern.
Für mich begann das mit dem Mutterwerden. Plötzlich stellten sich Fragen,
die ich vorher nie in dieser Tiefe gesehen hatte: Fragen nach Verantwortung,
Fürsorge und danach, was ein gutes Leben eigentlich ausmacht.
Mit der Geburt meines Sohnes Lasse mit einer Behinderung wurde mir noch bewusster,
dass Mutterschaft nie nur privat ist. Sie ist immer auch gesellschaftlich.
Als pflegende Mutter habe ich diese politische Dimension
zum ersten Mal wirklich verstanden und begonnen, sie anzuerkennen.
Seitdem lässt mich eine Frage nicht mehr los:
Wie wollen wir als Menschen zusammenleben?
Was bedeutet Würde? Wem sprechen wir sie selbstverständlich zu und wo gerät sie ins Wanken?
Wie begegnen wir Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind?
Und was sagt unser Umgang mit ihnen über uns selbst aus?
Wie gehen wir mit unseren eigenen verletzten Anteilen um?
Fotografie und Schreiben sind für mich ein Weg, diesen Fragen zu begegnen.
Nicht, um Antworten zu geben, sondern um ihnen eine Form zu verleihen.
Meine Verletzlichkeit und auch mein Schmerz sind das Tintenfass meiner Kunst.
Sie sind ihr Ursprung aber sie bestimmen sie nicht.
Ich glaube, dass sich gerade dort, wo Menschen verletzlich werden, zeigt,
wie ernst wir es mit ihrer Würde meinen.
Mit meiner Arbeit möchte ich Räume schaffen, in denen wir einander zuhören,
Geschichten teilen und vielleicht den Blick aufeinander ein wenig verändern.
Denn ich glaube, dass jede persönliche Geschichte etwas Universelles in sich trägt
und dass Verstehen der Anfang von Menschlichkeit ist.